Wissenschaftliche Methoden Dissertation Abstracts

Veröffentlicht am 4. Juni 2015 von Desiree Korath. Datum aktualisiert: 21. November 2017

Der Großteil einer wissenschaftlichen Arbeit wird im Präsens verfasst, bei manchen Ausführungen greift man jedoch auf das Perfekt oder das Präteritum zurück. In den verschiedenen Teilen einer Abschlussarbeit Abstract, Einleitung, Theorie, Literaturübersicht, Methode, Ergebnisse und Fazit bzw. Ausblick werden teilweise unterschiedliche Zeitformen verwendet.

Abstract oder Zusammenfassung

Präsens: Für allgemeine Fakten und um das Thema der Arbeit zu umreißen, z.B.:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe.

Perfekt: Für vergangene Ereignisse, z.B.:

Die Krise hat vor knapp drei Jahren begonnen.

Einleitung

Präsens: Bei der Beschreibung des Ausgangspunkts der Arbeit, des Forschungsstanden im Gebiet der Arbeit und des Ziels, z.B.:

Das Ziel der Arbeit ist eine Analyse der Kinderbücher von Erich Kästner.

Perfekt: Um den historischen Hintergrund darzustellen, z.B.:

Die Literatur hat ab der Mitte der 20er Jahre eine Blütezeit erlebt.

Theoretischer Teil

Präsens: Bei dem Verweis auf publiziertes Wissen und bei Definitionen, z.B.:

Die Herzfrequenz (HF) ist die Anzahl der Herzschläge pro Minute.

Unter der Semantik wird die Theorie von der sprachlichen Bedeutung der Morpheme, Lexeme, Wörter, Sätze und Texte verstanden.

Perfekt oder Präteritum: Bei expliziten Verweisen auf Erfindungen/Schöpfungen anderer, z.B.:

…, was als erstes von Mayer (1980) herausgestellt wurde.

Literaturübersicht

Präsens: Um gegenwärtiges Wissen oder Informationen mit allgemeiner Gültigkeit wiederzugeben, z.B.:

Forscher können den Klimawandel nicht bestätigen.

Präteritum: Um zu beschreiben, was eine bestimmte Person tat oder herausfand, z.B.:

Mayer (2005, S.56) fand heraus, dass…

Material- oder Methodenteil

Präsens: Bei der Beschreibung des Untersuchungsgebietes (da es ja immer noch besteht) und beim Verweis auf bekannte Methoden und Verfahrensweisen (= publiziertes Wissen), z.B.:

Das Versorgungsgebiet des Wasserwerks erstreckt sich über ca. 20 km².

Perfekt oder Präteritum: Bei der Beschreibung der tatsächlich durchgeführten Arbeitsschritte, z.B.:

An der Untersuchung nahmen insgesamt 50 Personen teil.

An der Untersuchung haben insgesamt 50 Personen teilgenommen.

Ergebnisteil

Perfekt oder Präteritum: Bei der Darlegung der Forschungsergebnisse, z.B.:

Die Hypothesen konnten nicht bestätigt werden.

Die Befragung hat ergeben, dass sich Studierende mehr finanzielle Unterstützung von ihren Eltern wünschen würden.

Fazit oder Diskussion

Präsens: Für die Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse, z.B.:

Die Untersuchung zeigt, dass Frauen mehr lesen als Männer.

Präteritum oder Perfekt: nur, wenn man sich auf die Ergebnisse bezieht (vgl. Ergebnisteil)

Sonderfall: Historisches Präsens

Sonderfall: Beim Erzählen einer vergangenen Geschichte, kann auf das historische Präsens zurückgegriffen werden. Dadurch wird eine Unmittelbarkeit erzeugt, die es dem Leser ermöglicht, sich besser in die Geschichte hineinzuversetzen, z.B.:

Napoleon stirbt am 5. Mai 1821 auf der Insel St. Helena.

Abstract schreiben

Hier erfahren Sie, wie Sie einfach und Schritt für Schritt Ihren Abstract entwickeln
von Marcus Fiebig, Schreibwerkstatt der Uni Lüneburg

Ein Abstract ist ein kurzer Abriss und eine knappe Inhaltsangabe. Gerade ungeduldige Leser lesen gerne den Abstract, um zu entscheiden, ob sich ein tiefer gehendes Lesen wirklich lohnt.

Wichtig beim Abstract ist …

Der Abstract soll den Leser informieren und möglichst neugierig darauf machen, was in der Masterarbeit, dem Konferenzvortrag oder in dem Beitrag zum Sammelband zu erwarten ist. Sinnvoll ist es dabei, explizit die Lesergruppen anzusprechen, für die der Text besonders geeignet ist. Der Abstract ist v. a. bei Master- und Bachelorarbeiten sprachlich nüchtern und sachlich zu halten. Den Leser interessieren v. a. folgende Fragen: Was sind die wichtigsten Ergebnisse? Welche Methodik wurde wie angewendet? Was sind die wichtigsten Schlussfolgerungen usw.?

So können Sie bei Schreiben starten

Wenn Sie mit den Zielen der Arbeit starten und danach etwas zur Theorie oder Untersuchungsmethode schreiben, ergibt sich meist ein guter Start. Zwei Beispiele dazu.

Abstract Beispiel 1:

Das Ziel der vorliegenden Bachelorarbeit war es, die wichtigsten theoretischen Konzepte (Müller 2007; Meyer 2012; Schulz 2015) zum kreativen Schreiben theoretisch zu vergleichen und empirisch zu überprüfen. Dazu wurden zehn Studierende in qualitativen Interviews befragt. Die Ergebnisse bestätigen zum großen Teil die Annahmen bei Müller, Meyer und Schulz. Folgende Schlussfolgerungen gehen jedoch nach der Auswertung der Interviews über die theoretischen Annahmen hinaus: A, B, C … Die Bachelorarbeit ist sowohl für Studierende im Lehramt Deutsch als auch für Lehrende im Bereich Schreibdidaktik interessant.

Abstract Beispiel 2:

Die vorliegende Masterarbeit gibt einen Überblick über die Bedingungen und Auswirkungen von Produktionsketten am Beispiel der Firma Apple. Dabei wurde die Funktionsweise der Produktionsstätten in Südostasien organisationspsychologisch untersucht. Danach wurden diese Erkenntnisse mit anderen Smartphone-Herstellern verglichen und Handlungsempfehlungen aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebersicht entwickelt. Die Basis der Masterarbeit sind Experteninterviews in Deutschland sowie die Studien von Beyer (2014), Johnson (2012) und Wenig-Li (2015) zu den Arbeitsbedingungen in Shanghai. Der Autor erhofft sich dadurch einen interdisziplinären Erkenntnisgewinn.

Der Abstract – häufig gibt es Vorgaben

Bevor Sie mit dem Schreiben loslegen, vergewissern Sie sich, ob es Vorgaben gibt. So darf bei Bachelorarbeiten und Masterarbeiten der Abstract üblicherweise höchstens eine halbe DIN-A4-Seite lang sein, also maximal 150 bis 250 Wörter umfassen. Einige Prüfer machen genaue Vorgaben, andere lassen mehr Freiheit und akzeptieren auch längere Abstracts. Bei Fachzeitschriften und Konferenzbeiträgen gibt es fast immer sehr genaue Vorgaben.

Ihr Abstract sollte genau, vollständig, kurz, knapp, objektiv und vor allem verständlich sein.

Definieren Sie die Adressaten des Abstracts: Soll nur das Fachpublikum angesprochen werden? Oder soll er für jeden Leser selbsterklärend sein? Vergleichen Sie Abstracts in Sammelbänden und wissenschaftlichen Zeitschriften, und Sie werden große Unterschiede feststellen.

Ein pragmatischer Ansatz beim Schreiben des Abstracts

Überlegen Sie sich die verschiedensten Stationen Ihrer Arbeit. Wie bei einer Reiseroute müssen Sie nur die wichtigsten Orte nennen, die Sie bereist haben, und nicht jeden Baum am Weg. Schreiben Sie dazu bspw. zu jedem der folgenden Punkte eigene Stichpunkte bzw. Sätze. Mit sogenannten W-Fragen (Was? Wie? Wo?) identifizieren Sie mögliche Inhalte Ihres Abstracts.

Sie können bewusst und sinnvoll aus dieser Kriterienliste auswählen. Die Liste soll nur der grundsätzlichen Orientierung dienen. Benennen Sie gerne auch Leerstellen, weisen Sie also darauf hin, wenn Sie bei einem wichtigen Punkt keine Antwort gefunden haben bzw. zu keiner klaren Erkenntnis gelangt sind.

Nach dem Entwurf: systematisches Vervollständigen

Bravo, Sie haben bereits einen Rohentwurf des Abstracts zusammengestellt! Einige von Ihnen schreiben schon sehr früh einen Abstract, für andere ist das erst am Ende des Arbeitsprozesses möglich. Egal, wann Sie die erste Fassung Ihres Abstracts zu Papier gebracht haben – wie geht es jetzt weiter? Vervollständigen Sie Ihren Abstract entsprechend der besagten Leerstellen in der oben angeführten Checkliste. Nun können Sie den Abstract überarbeiten.

Wie überarbeite ich einen Abstract?

Gerade weil es sich um eine sehr kleine Textmenge handelt, ist die inhaltliche und sprachliche Qualität sehr wichtig. Seien Sie ehrlich: Sie wollen selbst auch keine Abstracts lesen, in denen wesentliche Informationen fehlen oder die den Leser verwirren. Der sprachliche Spielraum ist beim Abstract nicht groß: Er sollte nüchtern, sachlich und leserfreundlich sein. Je nach Publikation kann jedoch differenziert werden: Bei einer Masterarbeit ist der Spielraum eventuell geringer als bei einem Sammelband mit studentischen Einzelbeiträgen. Nutzen Sie den Spielraum, der Ihnen zur Verfügung steht, und ziehen Sie den Leser mit dem Abstract in Ihren Text – wie ein freundlicher Fährmann, der eine kleine Reiseroute von Hamburg nach Dresden anbietet. Sie können folgendermaßen vorgehen:

  • Sind die wichtigsten Ergebnisse der Master /Bachelorarbeit enthalten?
  • Müssen Ergebnisse gestrichen werden, die weniger wichtig sind?
  • Ist der Abstract selbsterklärend, kann der Leser ihn verstehen, ohne die ganze Master /Bachelorarbeit kennen zu müssen?
  • Gibt es logische oder sprachliche Brüche im Textfluss?
  • Korrektur: Rechtschreibung, Schriftart und die maximale Wortanzahl überprüfen.
  • Bonus: Macht der Abstract inhaltlich und sprachlich neugierig?

Erweiterte Hinweise zum Überarbeiten: Feedbackpartner / critical friends

Wenn Sie alleine nicht mehr weiterkommen und/oder wenn der Abstract sehr gut werden soll (z. B. für ein Call for Papers), dann bietet sich folgende Checkliste an:

  • Sehen Sie sich andere Abstracts in Fachzeitschriften und Sammelbänden an, die thematisch nahe an Ihrer Master /Bachelorarbeit liegen. Was ist dort konkret gut, was ist weniger gelungen?
  • Geben Sie einen konkreten Feedbackauftrag an Kommilitonen und/oder Freunde. Dabei soll es um folgende Fragen gehen: Inwieweit ist der Abstract selbsterklärend? Wo gibt es sprachliche Brüche? Welche Informationen fehlen?
  • Wenn Sie einen Abstract schreiben, um an einer Konferenz teilzunehmen, so folgt auf eine vorläufige Annahme meist eine Überarbeitungsphase. Dabei melden sich oft zwei sogenannte Reviewer bei Ihnen. Versuchen Sie jetzt, die Hinweise der Reviewer sorgfältig zu berücksichtigen, und nutzen Sie ggf. wieder die Hilfe Ihrer Kommilitonen und/oder Freunde. Es wird sich lohnen.

Viel Erfolg!

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